Marsimoto - Grüner Samt (Limited Samt Edition) (CD)

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Beschreibung

Tracklist: 

01 Grüner Samt
02 Wellness
03 Der springende Punkt
04 Indianer
05 Ich Tarzan. Du Jane
06 Grünes Haus
07 Marsi der Zigeuner
08 Mein Kumpel Spalding
09 Alice im WLAN Land
10 I Got 5
11 Absinth
12 Blaue Lagune
13 Angst
14 Wo ist der Beat
15 Für Uwe
16 Der Sänger von Björk

Bonustracks:
17 Green Granada
18 Cuba Clubbin' Junior

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Richard Hein., 28.04.2012

http://www.deutschrapblog.de/2012/02/06/gruner-samt-rezension-von-palle/

Grüner Samt – Rezension von Palle

Wir befinden uns in Spanien, genauer gesagt in der Nähe von Granada. Die Sonne scheint, es riecht nach gegrillten Calamares und Shrimps. In Meernähe steigt aus einem kleinen Haus grüner Rauch auf. Ein seltsames, mit einer grünen Maske gekleidetes Wesen steht am Pool, in der Hand ein Joint. Es ist Marsimoto. Randgruppenfanatiker, Naturliebhaber und Sympathisant der Indianer.

Endlich wird wieder gekifft.

Marsimoto hat sich verändert. Er sagt selbst über sich, dass er “Labelfuzzis” schon kilometerweit riechen kann und dass ein Management oder Ähnliches ihm nicht in seine Musik reinreden kann. Jedoch hörte sich sein letztes Album “Zu Zweit Allein” schon ein wenig kommerzialisiert an. Wo ein “Halloziehnation” noch durch seine Innovation überzeugen konnte, war ein “Zu Zweit Allein” schon ziemlich an den Markt geschneidert. Nun hat sich das Blatt gewendet. Einen Marteria findet man höchstens als sanftes Sample zeitweise im Hintergrund. Manch ein marktorientierter Labelchef dürfte sich vor lauter Angst an den Nägeln gekaut und “Diese Stimme überlädt jeden Hörer!” gepredigt haben. Doch Marsimoto sagt selber, dass nicht eine Chartplatzierung, sondern die Qualität zähle. Und, dass er ohnehin nicht zu der aktuellen, gehypten Hip Hop-Szene gehöre. “Grüner Samt” ist ein Manifest für den Untergrund, ein Album, das den Hörer die Welt aus der Sicht von Marsimoto sehen lässt. Und diese Sichtweise erweitert vielleicht dem einen oder anderen seinen Horizont.

Doch was bewegt diesen “neuen” Marsimoto? Über was denkt dieses wunderliche Wesen nach, wenn es berauscht durch eine Tüte durch die Welt fliegt? Inhaltlich ist “Grüner Samt” definitiv konkreter als “Halloziehnation” und dennoch steckt viel mehr Marsimoto drin als in “Zu Zweit Allein”, in dem er noch zusammen mit Deichkind auf einem brettharten Stalker Beat rumhüpfen musste. Die “Green Juice EP”, die exklusiv in der Juice Ausgabe Nr. 140 enthalten war, gab schon mal einen beachtlich guten Vorgeschmack auf “Grüner Samt”. Marsimoto erzählt auf der EP Geschichten. Mal geht es um ein paar Ski, das keiner mehr beachtet, weil jeder aufgrund von Style nur noch Snowboard fährt. Oder es geht um einen Pinguin, der seiner Umgebung einfach nicht gewachsen ist. All diese Appetithäppchen machten jeden Hörer hungrig auf “Grüner Samt”. Und das Album setzte noch einen drauf.

Marsimoto versetzt sich z.B. auf dem Track “Der springende Punkt”, so absurd es klingen mag, in die Rolle eines Leberflecks, der von Star zu Star hüpft und die Geschichten dieser widerspiegelt. Oder unser immer kiffende Weedlingsrapper begibt sich in die Rolle eines Wales und beschreibt, wie er gejagt wird und mit welchen Problemen er zu kämpfen hat. Manch Einer würde erwarten, Marsimoto verziere seine Texte mit leichtem Witz und Ironie, was bei Tracks wie z.B. “Indianer” auch stimmen mag, jedoch bleibt dieser Humor im Rahmen, was auch gut ist. Denn so erreicht Marsimoto durch seine gepitchte Stimme den Hörer auf eine ganz andere Art und Weise, als es z.B. ein Marteria schafft. So blitzt teilweise sogar schon Sozialkritik auf. Dies wird besonders im Track “Alice im WLAN Land” deutlich, in dem Marsimoto, natürlich wieder mit einer kleinen Prise Humor, auf sogenannte Überwachungsgesellschaften und Datenspeicherungen aufmerksam macht, mit denen wir in Zeiten, in denen wir in jeglichen Situationen das Internet nutzen, fast täglich konfrontiert werden. Im weiteren Verlauf des Albums verbreitet Marsimoto natürlich auch wieder jede Menge gute Laune und bleibt seinem Kifferimage treu, beschreibt in dem Song “Grünes Haus” seine ganz eigene, grüne Heimat oder definiert sich in dem Song “Marsi der Zigeuner” einfach mal selbst. Überhaupt legt Marsimoto das Augenmerk viel mehr auf sich, beschreibt seine Liebe zu dem Basketballsport (“Mein Kumpel Spalding”), zu dem alkoholischen Getränk “Absinth” oder sogar zu einer Frau (“Ich Tarzan, du Jane”), obwohl Marsimoto auch hier wieder eher in eine Rolle schlüpft. Ergänzt werden diese inhaltlich gut definierten Songs durch z.B. Tracks wie “Wellness” oder “Wo ist der Beat?”, die jedoch alle wieder viel Innovation aufweisen und einem manchmal sogar ein kleines Lächeln abgreifen können.

Zwar gibt es ein hauseigenes Green Berlin Studio, welches sich in einem alten Stasi Gebäude zwischen Lichtenberg und Friedrichshain in Berlin befindet, jedoch wurde fast das ganze Album in Calahonda, Spanien, erarbeitet. Neben Marsimoto waren auch der Multimedia-Allrounder Paul Ripke, die Green Berliner DJ’s und Producer Nobodys Face und Kid Simius, der wiederauferstandene Produzent von “Halloziehnation” Dead Rabbit und Glashägen, der sozusagen als ergänzende, künstlerische Kraft fungierte, mit am Start. Die von Nobodys Face, Kid Simius und Dead Rabbit produzierten Beats, die die größte Masse des Albums darstellen, sind allesamt ausgezeichnet und berauschend. Der Sound von “Grüner Samt” ist ein ganz eigener, elektronischer Green Berlin Sound und liegt irgendwo zwischen Dubstep und Hip Hop. Im Hintergrund verzaubern aber auch schon mal gezupfte Gitarren Akkorde oder humorvoll klingende Indianer-Gesänge den Hörer. Die Stimmung, die Marsimoto durch seine Texte vermitteln möchte, wird exzellent durch die Beats verstärkt. Man kann schon fast sagen, dass das Produzenten Trio es nahezu perfekt schafft, durch Samples oder Ähnlichem beim Hörer im Kopf eine Umgebung zu erzeugen und so Marsimoto richtig tief in die Köpfe zu befördern. Paul Ripke, den man als schon fast als Medienwunderkind bezeichnen kann, leistet auch im Bereich Multimedia ganze Arbeit. Das in Island geschossene Cover sieht super aus, der in der Promo-Zeit veröffentlichte, zum Album gehörende Film “Grüner Samt” ist vollgestopft mit interessanten Szenen aus der Entstehungszeit des Album und beinhaltet sogar ganze Musikvideo zu ein paar Songs des Albums

Marsimoto hat zu sich selbst gefunden und ist erwachsener geworden. Klar bleibt er seinem Kifferimage treu und fliegt praktisch nur so über das ganze Album. Jedoch begibt er sich in ganze andere Sphären, zeigt uns, wie bunt und zugleich kritisch er die Welt aus dieser nicht immer lebensbejahenden Perspektive sieht. Er nimmt den Hörer mit auf eine unvergessliche Fahrt, einen Trip, der schöner gar nicht sein kann. Das Album ist Kunst für die Ohren, Balsam für die Seele, Futter fürs Gehirn. Alles zugleich. Doch eines ist es sicher nicht: Eine Hommage an die illegale Droge, den “grünen Samt”. Nein, es ist viel mehr. Es ist Marsimoto.

Credits & Quellen

Informationen zum Album und Zitate Marsimotos: JUICE Nr. 140

Fotos: Paul Ripke (nachbearbeitet, mit Schriften versehen)

Text: Palle

Website von Marsimoto

Website von Paul Ripke

Kid Simius auf Soundcloud

Dead Rabbit auf Soundcloud

Nobodys Face auf MySpace

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